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UNICEF und die Lüge vom Rückgang der Genitalverstümmelungen

Juli 23rd, 2013 | Posted by Ines Laufer in Allgemein | Entwicklungshilfe | Kommentare | Medien | UNICEF
UNICEF's Behauptung, es gäbe heute weniger Genitalverstümmelungen ist frei erfunden und entbehrt jeder belastbaren Grundlage

UNICEF’s Behauptung, es gäbe heute weniger Genitalverstümmelungen ist frei erfunden und entbehrt jeder belastbaren Grundlage

 Für UNICEF scheint das Sommerloch eine willkommene Gelegenheit zu sein, sich mit frei erfundenen Erfolgs-Storys ins Gespräch zu bringen. So behauptet der Verein in seiner gestrigen Pressemeldung:

„Mädchen werden heute deutlich seltener Opfer von Genitalverstümmelung als noch ihre Mütter.“ (1)

 Als „Beleg“ für diese Aussage werden die Ergebnisse von Befragungen angeführt, nach denen „immer weniger Frauen und Männer die Tradition unterstützen.“ 

Dabei ist seit mehr als 10 Jahren empirisch belegt, dass

a.) Befragungen der Tätergruppen die völlig falsche Methode sind, um einen tatsächlichen Rückgang dieser Gewalt festzustellen. Und

b.) geht aus UNICEF-eigenen Studien hervor, dass trotz der (ohnehin meist nicht wahrheitsgemäßen,) angeblichen Ablehnung der Verstümmelung das Verbrechen unvermindert weiter verübt wird.

Kurz: UNICEF stellt mit der Behauptung, es gäbe heute weniger Genitalverstümmelungen, eine fatale Lüge in den Raum, wohl um für die eigene verfehlte, kulturrelativistische Politik der Anbiederung an die Täter durch „offene Disskussion“ sowie „Information und Aufklärung“ zu werben.

Verwunderlich ist dieses Verhalten nicht, denn mit Ruhm bekleckert hat sich UNICEF beim Engagement gegen Genitalverstümmelung bisher nicht – trotz Millionen an entsprechenden Spenden.

Hier einige, jedoch nicht abschließende kritikwürdige Fakten: 

Seit knapp 20 Jahren kassiert UNICEF Millionen an Spenden für ein FGM-Projekt in Äthiopien: Messbare Erfolge gibt es bisher nicht!

Seit knapp 20 Jahren kassiert UNICEF Millionen an Spenden für ein FGM-Projekt in Äthiopien: Messbare Erfolge gibt es bisher nicht!

– UNICEF lehnte es aufgrund kulturrelativistischer Motivation jahrzehntelang ab, das Thema „Genitalverstümmelung“ auf seine Agenda zu setzen und ignorierte die Verstümmelung an Mädchen lange Zeit völlig. (vgl. Fran Hosken, „The Hosken Report“)

– Seit knapp 20 Jahren – d.h. seit September 1994 – wirbt UNICEFDeutschland für ein angebliches Anti-Verstümmelungs-Projekt in Äthiopien, für das allein von September 1994 bis Januar 1995 eine halbe Million Mark gesammelt wurde. Seitdem dürften mehrere Millionen Euro für das Projekt gespendet worden sein. Die TaskForce hat nachgefragt und UNICEF um den genauen Spendenbetrag, die konkrete Verwendung der Spenden und – am wichtigsten – die Resultate gebeten. Ergebnis: Es gibt weder Transparenz hinsichtlich der Einnahmen und Verwendung – und keine Ergebnisse!

– UNICEF duldet widerstandslos die Verstümmelung von Mädchen in sämtlichen Projekten und handelt damit UN-Konventionen zuwider: Die Presse-Verantwortlichen Beatrix Hell und Sabine Wagner bestätigten der TaskForce, dass UNICEF in der Projektarbeit und Auswahl der Projekte die UN-Kinderrechtskonvention außer Acht lässt – und die Einhaltung der grundlegendsten Menschen- und Kinderrechtsstandards sowie konkret den Verzicht auf Genitalverstümmelungen NICHT zur Voraussetzung finanzieller Unterstützung macht. Damit unterläuft UNICEF den Anspruch und die Möglichkeiten, den diese Konvention bietet.

– UNICEF unterwandert permanent in paternalistischer Weise die Bemühungen und die Arbeit afrikanischer AktivistInnen, die sich seit fast drei Jahrzehnten für die Beendigung der Genitalverstümmelungen einsetzen: Deren größtes Netzwerk, das IAC, fordert seit Jahren – u.a. direkt von UNICEF – sich in der Öffentlichkeitsarbeit an die korrekte Terminologie Genitalverstümmelung zu halten – und auf die verbale Bagatellisierung der Gewalt als „Beschneidung“ zu verzichten und lancierte deshalb gemeinsam mit der TaskForce und der Waris Dirie-Foundation eine Petition an UNICEF: Doch UNICEF ignoriert diese Forderung nach wie vor und verharmlost die Verstümmelungen weiterhin als „Beschneidung“ oder „Mädchenbeschneidung“, wie die aktuelle Pressemeldung zeigt.

Fazit: Es gibt de facto weder belastbare Belege für einen globalen oder regionalen Rückgang von Genitalverstümmelungen noch hat UNICEF zu eben diesem beigetragen, im Gegenteil: Die kulturrelativistische, paternalistische und menschenverachtende Politik, die UNICEF seit zwei Jahrzehnten mit der Verharmlosung der Verstümmelugnen sowie der Weigerung, Mädchen in den eigenen Projekten wirksam zu schützen betreibt, verschärft das Problem und behindert die Bemühungen engagierter lokaler Organisationen, diese Gewalt endlich nachhaltig zu ächten und zu beenden.

(1) Die unreflektierte europäische Presse gibt dabei selbst die widersinnigsten Zitate von UNICEF-Verantwortlichen ohne jeglichen kritischen Kommentar wieder, z.B. „Wir können beide dagegen sein. Aber wenn du siehst, dass ich mein Mädchen beschneide, dann denkst du, ich wäre dafür. Weil wir nicht reden.“

Taten wiegen eben schwerer als Worte und Gedanken, das scheint weder bei UNICEF noch der Presse angekommen zu sein.

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