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Die Krux mit dem Kaiserswerther Kunstpreis

April 29th, 2011 | Posted by Simone Schwarz in Intim-Verstümmelung durch Ärzte | Kommentare

Pikant: Eine Künstlerin, die sich gegen Genitalverstümmelung engagiert, erhält Preis ausgerechnet von Ärzten, deren täglich Brot die legale Verstümmelung von Frauen bei sog. Intim-OPs ist.

Wunderbar, wenn Künstler für ihre Arbeiten öffentliche Anerkennung erfahren. Ausschließlich Frauen ehrt der „Kaiserswerther Kunstpreis“, der von den Ärzten Dr. Afschin Fatemi und Prof. Dr. Martin Jörgens zusammen mit dem Online-Portal freundederkuenste.de ausgelobt wird.

In diesem Jahr geht der Preis an die österreichische Künstlerin Barbara Rapp für ihren gelungenen Malzyklus „Frauenbild zu entsorgen“. Barbara Rapp plädiert in ihren Werken für die natürliche Schönheit der Frau und setzt sich mit dem Thema Genitalverstümmelung auseinander – weshalb ihr ein Preis ohne Pferdefuß zu wünschen wäre:

Denn Dr. Fatemi ist Geschäftsführer der S-thetic Clinic in Düsseldorf, die unter dem Lifestyle-Label „Intim-Chirurgie“ weibliche Genitalien zurechtstutzt – ein Angebot für die vielen Frauen, deren monströs dimensioniertes oder sonstwie abnorm ausgefallenes Geschlecht beim Saunieren und anderen sozialen Anlässen enormen Leidensdruck verursacht.

Wer ein normwidriges Design der eigenen Ausstattung schon länger ahnte, kann sich auf der Klinik-Website endlich Gewissheit verschaffen über die abstoßende Körper-Wirklichkeit:

Die „perfekten“ inneren Schamlippen werden von den äußeren knapp bedeckt. Sind die inneren Schamlippen zu groß, hängen sie unschön nach unten und sind gut zu sehen. (s-thetic)

Die Notwendigkeit eines Eingriffs wird jeder Ästhet sofort erkennen. Und nur notorische Miesmacher wittern hier eine wirtschaftlich motivierte, legale Genitalverstümmelung angesichts dieser dramatischen Befunde:

Durch die natürliche Alterung und im Zusammenhang mit Geburten verliert das Gewebe der Vagina an Elastizität und/oder es kann zu einer Weitung kommen. Um eine Verengung der Vagina zu erzielen, wird am Scheideneingang beginnend über die gesamte Länge der Scheide überschüssiges Gewebe entfernt. (s-thetic)

Wer nicht länger seine Labien-Ungetüme spazieren tragen möchte, wendet sich zur Terminvereinbarung am besten gleich an die Klinik: info@s-thetic.de. Vielleicht passt es ja auch am 4. Juni 2011, wenn um 20 Uhr in den Praxisräumen der S-thetic Clinic am Kaiserswerther Markt 25-27 in Düsseldorf-Kaiserswerth der Preis verliehen wird.

Lektüre-Tipp: „Designervagina: nur eine Identitätsstörung?“, Aufsatz der 2010 verstorbenen Dipl. Psychologin Monika Gerstendörfer

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4 Responses

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  • Jan Holtmeyer says:

    Die Angst des Ford Capri-Besitzers vor der Waschanlage

    Für Simones Hinweis auf den durch die Fa. S-thetic Clinic Düsseldorf GmbH besorgten Schutz von Frauen vor den ganz speziellen Auswüchsen ihrer Geschlechtlichkeit bin ich dankbar.

    Aber wir sollten nicht vergessen, dass es auch um den Schutz von uns, den Männern, vor allfälliger Überforderung durch die weibliche Anatomie geht.

    Ich möchte gar nicht erst Otto Ranks Theorie in „Trauma der Geburt“ zu den Nachwirkungen des ersten – unvermeidbaren – Erlebnisses der Passage durch uterus, zervix und vagina wiederbeleben.

    Aber wer als kleiner Junge die Schrecken einer Autowaschanlage miterlebt hat, weiß, wovon ich spreche: Der Bolide wird zunächst auf der Schiene arretiert und tritt sodann seinen Weg durch den engen und dunklen Gang an. Sodann schießen von überall Flüssigkeiten von versteckten D(r)üsen auf einen ein. Haariges Gerät tritt auf und rollt auf und ab. Es dauert Ewigkeiten. Jeder wird ganz still. Glaubt man schon, der Angriff ist vorüber, fährt man auf eine Wand gebildet aus zwei riesigen Lappen zu! Die schrappen am Lack, teilen sich aber letztlich und geben uns wieder frei. Man ist sauber aus der Nummer herausgekommen – aber: hat sich die Angst gelohnt?

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  • M.A. says:

    Die betroffene Künstlerin, Barbara Rapp, äußert sich selbst wie folgt zu der Angelegenheit:

    „Ich war in der Tat überrascht, als ich erfuhr, dass die Zuerkennung des Kaiserswerther Kunstpreises an mich bzw. mein Werk auch von einem Facharzt für ästhetische Operationen mitgetragen bzw. mitfinanziert wird – wo es unübersehbar ist, dass ich in meiner Kunst die Maschinerie „Schönheitsindustrie“ hinterfrage.

    Was ich mit meiner künstlerischen Arbeit erreichen will, ist die Anregung von Diskussionen über mir wichtige Themen. Und wer meine Kunst kennt, weiß, dass sich meiner Meinung nach jede Frau (und auch jeder Mann) weitestgehend ihrer naturgegebenen Körperlichkeit wohlwollend bewusst sein darf und sich nicht von gesellschaftlichen Normen und Schönheitsidealen die Freude an sich selbst nehmen lassen sollte. Teils exzessiv von der Realität abweichende Ansichten über den „richtigen“ Körper in unserer heutigen Gesellschaft tragen allerdings nicht immer dazu bei, Frau und/oder Mann die Liebe zu sich selbst zu erleichtern oder zu erlauben.

    Umso spannender wird es für mich nun sein, hier einem Vertreter aus der „ästhetisch-plastischen Chirurgie“ zu begegnen, der sich offensichtlich nicht davor scheut, meine hinterfragende Kunst in seinem Wirkungsbereich zu zeigen, ja zu unterstützen und sich folgedessen dieser Debatte zu stellen.
    Ich sehe es als Herausforderung an, mit meiner Kunst auch direkt in diese Bereiche hineinstoßen zu dürfen, ebendort Diskussionen auszulösen. Und ich bin gespannt auf unser erstes persönliches Treffen in Düsseldorf und auf die vielen Fragen, die dort mit Sicherheit erörtert werden!

    Auf jeden Fall freue ich mich über diesen Preis, der dazu beiträgt, mir die weitere unabhängige künstlerische Bearbeitung meiner Schwerpunkte möglich zu machen.“



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