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Genitalverstümmelung an Mädchen:“Runder Tisch NRW“ = Etikettenschwindel auf Kosten…

September 30th, 2012 | Posted by Ines Laufer in Bund und Länder | Kommentare | Runder Tisch Beschneidung / Mädchenbeschneidung NRW | TaskForce

Bereits vor Jahren wurde der „Runde Tisch“ darauf hingewiesen, falsche, viel zu niedrige Zahlen über gefährdete Mädchen zu veröffentlichen und das Problem herunterzuspielen. Heute, 2012, sind die Zahlen unverändert falsch…

…der Steuerzahler.

In den letzten Jahren hat sich regional und bundesweit eine Vielzahl „Runder Tische“ als Experten- und Fachgremien etabliert, um wirksame Lösungsansätze und Handlungsempfehlungen für drängende gesellschaftliche Probleme zu erarbeiten.  „Runde Tische“ werden als ziel- und ergebnisorientierte Institutionen wahrgenommen.

Als Beispiele seien der Runde Tisch zu sexualisierter Gewalt genannt, der Runde Tisch Heimerziehung, der Runde Tisch gegen Menschenhandel sowie diverse Runde Tische gegen häusliche Gewalt, die u.a. konkrete Schutzkonzepte erarbeiten.

Zum Thema „Genitalverstümmelung an Mädchen“ wird in NRW seit mehr als fünf Jahren ein Runder Tisch vom Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter unterstützt und finanziert. Dieser Tisch bezeichnet sich selbst als „Modell für andere Bundesländer“ – mit dem erklärten Ziel, „die medizinische, soziale und rechtliche Situation betroffener Frauen zu verbessern und Mädchen … zu schützen“

Die Kinderschutzorganisation TaskForce für effektive Prävention von Genitalverstümmelung e.V. hat jetzt das Ministerium in seiner Rolle als staatlicher Beteiligter und Geldgeber gebeten, Auskunft über die konkreten Grundlagen und Arbeitsergebnisse dieses Runden Tisches zu geben.

Unter anderem wollte die TaskForce wissen, anhand welcher konkreter Analysen und Daten zu Beginn die Verbesserungswürdigkeit der medizinischen, sozialen und rechtlichen Situation betroffener Frauen eruiert wurde, das heißt welche konkreten Mängel und Probleme festgestellt wurden, welche Maßnahmen und Handlungskonzepte erarbeitet wurden, um diese Mängel bzw. Probleme zu lösen sowie gefährdete Mädchen zu schützen und wie die Wirkung und Wirksamkeit dieser Maßnahmen gemessen wird.

Keine Konzepte, keine Strategien, keine Ergebnisse, keine Evaluierung…

Den Antworten aus dem Ministerium ist Folgendes zu entnehmen: Es gibt keine Konzepte, keine Strategien, keine Ergebnisse, keine Evaluierung und auch keine fachgerechte Analyse der Situation als Arbeitsgrundlage!

Mehr noch: Laut Ute Waag, der zuständigen Mitarbeiterin im Ministerium, werde dies – entgegen der Selbstdarstellung – auch gar nicht angestrebt:

„Der Runde Tisch zu Mädchenbeschneidung strebt keine messbaren Ergebnisse an, sondern dient Interessierten lediglich zum Austausch“ teilte sie der TaskForce auf Nachfrage mit.

Dass dieser „Austausch“ nicht einmal fachlich fundierte, sondern in ihrer Dilettanz geradezu fatale Früchte trägt, wird  u.a. deutlich in der fortgesetzten Verharmlosung von Genitalverstümmelung in der Öffentlichkeit als „Beschneidung“ – und damit groben Missachtung der Forderung afrikanischer Initiativen zur Einhaltung der korrekten Terminologie Genitalverstümmelung.

Auch werden seit Jahren zu niedrige Schätzungen über betroffene und bedrohte Mädchen und Frauen in NRW veröffentlicht, obwohl das Ministerium als auch Mitglieder des Runden Tisches bereits mehrfach auf diese Fehler aufmerksam gemacht wurden. Ganz zu schweigen von fehlenden Schutzmaßnahmen für tausende gefährdete Mädchen in NRW – das immerhin als Bundesland mit der höchsten Anzahl hochgefährdeter Kinder gilt.

Etikettenschwindel auf Kosten der Steuerzahler

Beim genauen Hinsehen entpuppt sich das, was hier der Öffentlichkeit in vollmundiger Weise als „Runder Tisch“ verkauft oder sogar zur „Schutzaktion“ aufgeblasen wird, als banaler Stammtisch, bei dem kaum mehr Stammtisch-Meinungen ausgetauscht werden.

Handelte es sich dabei um eine bloße Privatinitiative, ließe sich über diesen Etikettenschwindel eventuell hinwegsehen. Doch die aktive staatliche Beteiligung in Form von Förderung und Finanzierung durch ein Ministerium verleiht diesem Schwindel – auf Kosten der Steuerzahler – sowohl Legitimität als auch den trügerischen Anschein von Seriosität.

Da überrascht es auch fast nicht, dass man im Ministerium weder zu

Die fortgesetzte Verharmlosung von Genitalverstümmelung durch den "Runden Tisch NRW" wird vom Ministerium für Gesundheit, Emanzipation etc. unterstützt und gefördert. Messbare Ergebnisse werden nicht angestrebt

Die fortgesetzte Verharmlosung von Genitalverstümmelung durch den „Runden Tisch NRW“ wird vom Ministerium für Gesundheit, Emanzipation etc. unterstützt und gefördert. Messbare Ergebnisse werden nicht angestrebt

 selbstkritischer Reflexion oder Einsicht noch zur Einflussnahme zugunsten wirksamer Ergebnisse oder zumindest der Fehlerkorrektur bereit ist:

Das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter in NRW unterstützt auch weiterhin die Verharmlosung von Genitalverstümmelung.

Auf die Frage, wie sich das Ministerium – als staatlicher Verantwortlicher, Förderer und Geldgeber des „Runden Tisches NRW“ – gegen die in diesem Gremium durchgängige sprachliche Verharmlosung der Problematik als „Beschneidung“ einsetze sowie für eine Korrektur der falschen Daten erhielt die TaskForce zur Antwort: „Gar nicht!“

Ute Waag behauptet, „natürlich“ die Bamako-Deklaration zu kennen – und somit die fundiert begründete Forderung des größten afrikanischen Netzwerkes an westliche Akteure, beim Umgang mit Genitalverstümmelung von verharmlosenden Umschreibungen wie „Beschneidung“ Abstand zu nehmen. Doch anstatt die staatliche Verantwortung wahrzunehmen, zieht Waag es vor, schlichtweg die linguistische Realität zu leugnen und zu behaupten der Begriff „Beschneidung“ sei nicht verharmlosend.

Waag offenbart damit, dass sie sowohl Respekt vor den erfahrenen afrikanischen Initiativen als auch jegliche intellektuelle Redlichkeit vermissen lässt. Und Ministerin Barbara Steffens geht mit entsprechendem Beispiel voran.

Fest steht: Diese Politik dient allen möglichen Interessen – aber gewiss nicht den Mädchen, die dringend Schutz benötigen.

Fotos: Screenshots der Webseite des „Runden Tisches Beschneidung NRW“

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One Response

  • The FGM issue should be critically assessed, retrospectively or prospectively of the affected of people seeking asylum versus those critically affected which subsequently effect the health status of the affected.

    All stakeholders need education and information, the mere fact that this is not practiced in Germany does not mean eyes should be closed to the plight of the affected on basis of poor definition of HTP.

    The countries practicing Harmful Traditional Practices (HTP) need bi-lateral support through funding, education, policy and care, knowing well that the health of one is the peace of all.

    I remember the issues of Female Trafficking in Nigeria, the Italian Government collaborated with Nigerian Government and NGOs and Entrepreneurs to train Women of Reproductive Age (WRA) affected through training and economic capacity building to reduce the incidence of female trafficking. The German Ministry of Health can not down play the harmful effect of Female Genital Mutilation on Women of Reproductive Age as it affects child bearing and a threat to women’s lives; assuming it is a waste of tax payers fund, the seriously affected still attend government hospitals and if refugees, are cared for, why not start the prevention through German Aid initiative as; UKAid or USAID.



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