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STOP FGM NOW: Aufgeblähtes Werber-Ego vs. Mädchenschutz (Part I)

April 17th, 2011 | Posted by Ines Laufer in Kommentare | STOP FGM NOW

…oder warum der Schuster bei seinen Leisten bleiben sollte…

Wer die Werbebranche ein bißchen kennt weiß, dass – je schwächer die Inhalte eines Produkts sind – oft umso mehr „heiße Luft drumherum“ produziert wird.

Dass ein Werber es allerdings schafft, ein starkes Thema mit viel Substanz (Genitalverstümmelung an Mädchen) nicht nur völlig auszuhöhlen sondern zu regelrecht zu pervertieren, zeigt die Werbekampagne

„STOP FGM NOW“ des René Heymann (Heymann, Brandt, de Gelmini, Berlin):

Um die gähnende Inhaltsleere zu füllen,

– musste ein bekannter Name her – in dem Fall Waris Dirie – sowie

– als Entourage beliebig ein paar Organisationen zusammengesucht (die sich im Nachhinein nicht wirklich dafür zu interessieren scheinen, was Heymann und seine wilde Facebook-Administratoren-Crew in ihrem Namen so alles von sich gibt, sonst hätte die eine oder andere schon längst ein Stopp-Schild aufgestellt),

– schnell noch ein Video gezimmert (das zwar off-topic ist – egal, merkt eh’keiner),

–  zu einer schicken Pressekonferenz geladen, bei der sich jede der „beteiligten“ Organisationen ein bißchen selbst feiern durfte –

und fertig ist der schöne Schein, der glänzend darüber hinwegtäuscht, dass es dem Macher René Heymann weder um die Durchsetzung von Kinderrechten geht, geschweige denn um den Schutz von Mädchen vor Genitalverstümmelung – sondern vor allem um ein kräftiges Ego-Boosting:

Mit Werbe-Parolen à la:

„Wir sind gegen FGM (Female Genital Mutilation) – nicht gegen Menschen! „

geht der in Menschenrechtsbezügen unbewanderte Heymann im Social-Media-Netz (Facebook) auf  „Dummen-Fang“:

Wem fällt schon auf, dass er mit diesem Spruch das Anliegen und die Forderungen von Waris Dirie ad absurdum führt, die sich für eine konsequente Verfolgung und harte Bestrafung eben jener Menschen einsetzt, die Genitalverstümmelungen verüben?

Überträgt man den Heymann-Slogan einmal auf andere Gewaltformen, kommen so aberwitzige Sätze zustande wie: „Wir sind gegen Ehrenmorde – nicht gegen Mörder“ oder „Wir sind gegen Vergewaltigung – nicht gegen Vergewaltiger“ oder „Wir sind gegen Kindesmissbrauch – nicht gegen Pädokriminelle“ usw.

René Heymann tut so, als sei Genitalverstümmelung eine „Naturkatastrophe“ – jenseits der Beteiligung und Verantwortung von Menschen, ein Phänomen, gegen das man nur mal eben zu sein braucht, und schon löst es sich in Luft auf.

Dass gerade Waris Dirie immer wieder betont, dass Genitalverstümmelung ein Verbrechen ist – begangen von Menschen – und insofern zu einer Positionierung entweder auf der Seite der Opfer oder der Täter zwingt – ignoriert Heymann und verweist lieber auf die vielen Sitten und Gebräuche, die mit der Jahrtausende alten Tradition einhergehen.

Dabei müsste Heymann – würde er sich mit der Materie auskennen – eigentlich wissen, dass man heute mit der Relativierung und Beschönigung von Genitalverstümmelungen durch den Verweis auf  „Sitten, Gebräuche und Tradition“ höchstens noch bei den Tätern selbst oder hartgesottenen Kulturrelativisten punkten kann.

Das brachte anlässlich des kürzlich angesetzten „Tolerance-Days“ der Generalsekretär der Deutschen UNESCO-Kommission, Dr. Bernecker, treffend auf den Punkt:

„Wo Menschenrechte verletzt werden, ist Toleranz fehl am Platz. Wer etwa Genitalverstümmelung als kulturelles Brauchtum rechtfertigt, der ist nicht tolerant, sondern verantwortungslos. „

Was uns schließlich so geistreiches Werbe-Geschwurbel wie

„STOP FGM NOW und die Organisationen verfolgen ein humanes, realistisches und respektvolles Ziel zur Abschaffung von FGM“

sagen soll, bleibt wohl René Heymann’s Geheimnis.

Die TaskForce – die sich konsequent auf die Seite der Opfer stellt und deren Ziel ganz schlicht und einfach die Abschaffung der Verstümmelungen sowie der Schutz der Mädchen ist – hat den Bärendienst, den René Heymann sowohl den Opfern von Genitalverstümmelung als auch den ernsthaften Schutz-Bemühungen erweist, mehrfach kritisiert und wird diese Kritik weiter kultivieren. Stoff liefert „Schuster Heymann“, der nicht bei seinen „Leisten bleiben“ mag, genug.

To be continued…

Foto (c) Flickr/Hinnerk Hardt

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