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Kidsaid e.V. rechtfertigt Beihilfe zum Betrug

Oktober 31st, 2011 | Posted by Ines Laufer in Allgemein | Kidsaid | Plan International
Plan International überlässt allein im Sudan mehr als 15.000 Patenmädchen schutzlos der Genitalverstümmelung - und Kidsaid findet's wohl OK

Plan International überlässt allein im Sudan mehr als 15.000 Patenmädchen schutzlos der Genitalverstümmelung - und Kidsaid findet's wohl OK

Kidsaid e.V. reagierte heute prompt auf unseren gestrigen Beitrag, in dem wir die Beihilfe zum Betrug an den Spendern aufgedeckt haben, die der Verein mit seiner Finanzierung von Plan-Patenschaften begeht:

Ausführlich rechtfertigt Kidsaid auf Facebook den Betrug von Plan International sowie die eigene Beteiligung daran und entlarvt doch nur einmal mehr die menschenverachtende Haltung aus Paternalismus, Kulturrelativismus, Heuchelei, Ignoranz und fehlendem Unrechtsbewusstsein, die Plan International seit Jahrzehnten kultiviert hat und die sich in der Duldung schwerster systematischer Misshandlungen der Patenkinder manifestiert – und die sich Kidsaid e.V. offensichtlich  zu eigen gemacht hat.

Dass sich Kidsaid dabei auch in falsche Tatsachenbehauptungen hinsichtlich unseres Anliegens versteigt, wird da fast zur Nebensache:

Hier einige Highlights:

Kidsaid schreibt:   „Diese Taskforce wirft Plan e.V., UNICEF, Terre des Femmes und anderen Kinderhilfswerken vor, stillschweigend die Genitalverstümmelung in afrikanischen Ländern bei Mädchen zu dulden und verlangt den sofortigen Rückzug aus allen Projektgebieten und den Stop aller finanziellen Hilfen, in denen diese Verstümmelung Brauch ist. (…) Aus unserer Sicht würde eine derartige Kurzschlussreaktion weiteres Leid über diese Armutsgebiete ziehen und dem eigentlichen Ziel nicht förderlich sein.“

Wir stellen richtig: Die TaskForce bzw. die Bündnispartner der

Kidsaid rechtfertigt auf Facebook ausführlich seine Beihilfe zum Betrug

Kidsaid rechtfertigt auf Facebook ausführlich seine Beihilfe zum Betrug

Patenmädchen-Kampagne haben u.a. durch Selbstauskünfte von Plan International sowie Paten-Korrespondenzen und journalistische Recherche nachgewiesen, dass Plan die Verstümmelung von rund 250.000 Patenmädchen duldet, indem der Verein den Kindern die mindesten Schutzmaßnahmen vorsätzlich verweigert. 

Zu keinem Zeitpunkt hat die TaskForce „den sofortigen Rückzug aus allen Projektgebieten und den Stop aller finanziellen Hilfen, in denen diese Verstümmelung Brauch ist“ verlangt.

Die TaskForce fordert stattdessen die Umsetzung verantwortungsvoller, konditionierter Entwicklungshilfe, bei der die Einhaltung der Kinderrechte sowie der Schutz vor systematischer Gewalt wie Genitalverstümmelung in den Empfängergemeinden pro-aktiv eingefordert, in den Förderkriterien festgeschrieben und regelmäßig überprüft wird.

Es scheint so, als habe Kidsaid mit einer Kurzschlusshandlung reagiert und dabei glatt vergessen, sich die Forderungen zumindest einmal durchzulesen…

Kidsaid schreibt:  „Hier dazu eine Stellungnahme von Plan e.V.: (…) Jedes Mädchen, das verstümmelt wird, ist ein Kind, dessen Recht auf körperliche Integrität missachtet wird. Dies machen wir in unseren Programmleitlinien und anderen Grundsatzdokumenten immer wieder deutlich.“

Wir sagen dazu: Plan belegt mit dieser Aussage, dass man der Rechtsverletzung durchaus gewahr ist, was es umso unentschuldbarer macht, dass der Verein – in vollem Bewusstsein – die Kinder eben dieser Verletzung ausliefert und es ablehnt, den einfachsten Schutz sicherzustellen.

Kidsaid schreibt: „Die Erfahrungen aus dieser Zusammenarbeit zeigen, dass scheinbar einfache Methoden – wie von der Taskforce vorgeschlagen – keine Lösungen sind – schon gar nicht, wenn es darum geht, Kindern langfristig zu helfen (…) Unsere Arbeit zielt darauf ab, dass die Gemeinden die weibliche Genitalverstümmelung aus innerer Überzeugung aufgeben.“

Wir sagen dazu: Da Plan International bis heute nicht einmal den Versuch unternommen hat, die – in der Tat einfachen aber effizienten – Methoden umszusetzen, die von der TaskForce gefordert werden, kann der Verein die Wirksamkeit dieser Strategie weder „aus Erfahrung“ noch sonst mit schlüssigen Argumenten widerlegen – verkennt aber immer noch seine Bringschuld diesbezüglich.

Plan sagt „Unsere Arbeit zielt darauf ab, dass die Gemeinden die weibliche Genitalverstümmelung aus innerer Überzeugung aufgeben“ und meint damit: Solange die Gemeinden nicht bereit sind, die Genitalverstümmelung „aus innerer Überzeugung aufzugeben“ – akzeptieren und dulden wir diese Verbrechen in unseren Projekten und tolerieren ohne Konsequenzen für die Täter-(Gemeinden), dass die Patenkinder der Verstümmelung unterworfen werden…

Mit der Patenmädchen-Kampagne - http://www.patenmaedchen.de/petition.php - hat jede/r die Möglichkeit, den Schutz von Patenmädchen einzufordern

Mit der Patenmädchen-Kampagne - http://www.patenmaedchen.de/petition.php - hat jede/r die Möglichkeit, den Schutz von Patenmädchen einzufordern

Es stellt sich die Frage, ob Kidsaid und der Öffentlichkeit bewusst ist, dass die von Plan in geübtem Marketing-Vokabular verfassten Beteuerungen, man „habe sich intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt und arbeite daran, diesen Brauch in den Kulturen zu bekämpfen“ weder über menschenverachtenden Kulturrelativismus hinwegtäuschen können noch darüber, dass diese „Bemühungen“ aufgrund ihres verfehlten Ansatzes scheitern – weshalb auch jegliche valide Wirksamkeitsnachweise fehlen – und jeden Tag neue Opfer zu verantworten haben.

Dem gegenüber steht die Einschätzung des konsequenten Kinderschutz-Ansatzes der TaskForce durch afrikanische Expertinnen (wie Rakieta Poyga /BangrNooma in Burkina Faso) als „genial“ und „lebensrettend“ und einfach umsetzbar und messbar.

Kidsaid schreibt: „Plan Deutschland finanziert über seinen Mädchen-Fonds … Projekte zur Abschaffung weiblicher Genitalverstümmelung in Äthiopien, Ägypten, Burkina Faso, Guinea, Mali und Sierra Leone. Das Budget dafür beläuft sich auf rund 4,5 Millionen US-Dollar.“

Wir sagen dazu: Mit der Vermarktung allein der rund 1/4 Million gefährdeten Patenmädchen kassiert Plan International 75 Millionen Euro – pro Jahr. Vor diesem Hintergrund spricht die von Plan investierte Summe von ca. 3 Millionen Euro (womöglich noch verteilt auf mehrere Jahre) für Halbherzigkeit und Prioritäten, die alles andere als das Wohl der Kinder im Fokus haben: Wie sonst lässt sich erklären, dass gerade einmal 4% des Geldes, das diese Kinder einbringen, in (zudem erfolglose) Bemühungen investiert wird, eine Gewalt zu bekämpfen, der in vielen Gebieten mehr als 90% aller Patenkinder unterworfen werden?

Ganz zu schweigen davon, dass Plan Deutschland gegen die Verstümmelungen in Benin, Ghana, Kenia, Niger, Senegal, Sudan, Tansania, Togo und Indonesien offenbar überhaupt nichts unternimmt:

Gerade im Sudan ist Plan seit fast 35 Jahren tätig, hat bislang keine wirksamen Schutzmaßnahmen für die Kinder umgesetzt und überlässt dort aktuell mehr als 15.000 Patenmädchen sowie Mädchen in knapp 200 Plan-Gemeinden schwerster Verstümmelung (Infibulation)!    

Kidsaid sagt:   Kidsaid e.V. stellt klar, dass wir gegen jegliche Form von Genitalverstümmelung sind und den Kern der TaskForce unterstützenswert finden…“

Wir fragen: Wenn  Kidsaid  gegen jegliche Form von Genitalverstümmelung  ist und den Kern der TaskForce (der sofortigen, umfassenden und messbaren Schutz von Mädchen impliziert) unterstützenswert  findet:

Warum setzt sich Kidsaid nicht dafür ein, dass dieser „Kern“ wirklich unterstützt wird?

Warum fordert Kidsaid nicht von Plan International, die Kinder zu schützen?

Warum fördert  Kidsaid mit mindestens knapp 6.000,-  € pro Jahr einen Verein, der hunderttausende Patenkinder der Verstümmelung überlässt – und gibt damit grünes Licht für diese Duldungspolitik?

Schon Albert Einstein erkannte:   „Die Welt wird nicht bedroht durch Menschen, die böse sind, sondern durch diejenigen, die das Böse zulassen“.                                  

                                                                                                                                                 

Foto (c) Flickr/Stephanie Zito                

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5 Responses

  • Nicht vorenthalten möchte ich den geistreichen Kommentar des Kidsaid-Botschafter-Models Tiana Pongs. Mein Tipp an Frau Pongs: Bitte bleiben Sie bei der Verfassung harmloser Model-Bücher! Damit richten Sie weit weniger Schaden an als mit Ihren unrühmlichen Versuchen, die Duldung schwerer Menschenrechtsverletzungen und den Betrug von Spendern schönzureden. Hier der Kommentar von Frau Pongs: „Richtigstellung: Eigentlich wollte ich zu so einer unsinnigen und unverschämten Aussage nicht wieder Stellung nehmen. Aber da Frau Ines Laufer nunmehr nicht nur uns persönlich angreift sondern dies öffentlich und im Internet tut, bleibt mir wohl keine andere Wahl. Durch Zusammenarbeit mit der internationalen Kinderhilfsorganisation Plan Deutschland e.V. wird uns und auch mir persönlich vorgeworfen Beihilfe zur Duldung von Genitalverstümmelung zu leisten. Die Taskforce beschuldigt nicht nur die Patenschaftsorganisationen der Untätigkeit, sondern hat auch bereits Terre de femmes, Unicef, das Netzwerk Integra, die Hamburger Behörde und andere Organisationen angegriffen. Ich möchte klar stellen, dass ich gegen jegliche Form von Genitalverstümmelung bin und den Kern der TaskForce unterstützenswert finde. Aus meiner Sicht würde eine derartige Kurzschlussreaktion weiteres Leid über diese Armutsgebiete ziehen und dem eigentlichen Ziel nicht förderlich sein. Auch die großen Kinderhilfswerke haben sich intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt und arbeiten daran, diesen Brauch in den Kulturen zu bekämpfen. Eine Stellungnahme von Plan Deutschland e.V wird in Kürze auf unserer Kidsaid Seite folgen.“

    • Rage says:

      Da das „eigentliche Ziel“ in den genitalverstümmelnden Ländern die Stabilisierung der Machtverhältnisse ist, auf der Basis der Unterdrückung von Frauen und Mädchen (sonst würde dort wie überall auch die umfassende Ausbeutung von Mensch und Natur ein abruptes Ende nehmen), spricht das Kidsaid-Botschafter-Model Tiana Pongs tatsächlich im Interesse der „großen Kinderhilfswerke“, weil deren Mitarbeiter und Vorstände durch gesellschaftliche Umwälzungen in den Hilfsgebieten zu Gunsten der Frauen schlagartig arbeitslos würden und keine Möglichkeit mehr hätten, in ihrem Marktsegment weiterhin abzukassieren. Frau Pongs natürlich auch nicht.

  • Rage says:

    Zu keinem Zeitpunkt hat die TaskForce – wie Kidsaid fälschlicherweise behauptet – “den sofortigen Rückzug aus allen Projektgebieten und den Stop aller finanziellen Hilfen, in denen diese Verstümmelung Brauch ist” verlangt. Im Gegenteil!

    Die TaskForce fordert stattdessen die Umsetzung verantwortungsvoller, konditionierter Entwicklungshilfe – weiterlesen: http://patenmaedchen.de/PDF/25Schritte_zum_Schutz.pdf

    Na, vielleicht müssen die bei Kidsaid ihren artikelbastelnden Azubis noch das Lesen und Schreiben und ihrem Vorstand noch das Denken und FÜHLEN beibringen…

  • Heute schreibt Kidsaid: „Sollte es zu dem schrecklichen Fall einer FGM kommen, werden die Kinder zudem nicht sozial ausgegrenzt, sondern bekommen soziale Hilfe aus den Projektgebieten vor Ort, um in die Gesellschaft und eine Zukunft zurückzufinden.“

    Wer bei rund 1/4 Million Mädchen, die schutzlos der Verstümmelung ausgeliefert werden – viele davon in Gebieten mit Verstümmelungsraten über 90% so zu tut, als handele es sich um „schreckliche“ Einzelfälle, die sich wohl über die „soziale Hilfe“ derer freuen sollen, die dulden, dass ihnen durch die Verstümmelung die Zukunft zerstört wird, ist schlichtweg nicht zu retten! —

    • rage says:

      und ich dachte schon, sie erhalten einen flug nach europa, wo sie operativ wieder hergestellt werden. bestimmt gibt es schon eine eine extra charterfluglinie, die jede woche aus den brennpunktgebieten die mädchen ausfliegt – natürlich für umsonst. oder sollte ich mich irren und kidsaid meint das ganz anders?! – rollenspiele? afrikanische eurythmiekurse zur integration der narbe in den anmutigen bewegungsfluß junger afrikanischer frauen, damit die touris sie auch knipsen können? nachhilfeunterricht, in denen das gemetzel begrifflich neu verankert wird als das hinnehmbar unvermeidliche? die schaffung von selbsthilfegruppen für ausgestoßene mit fisteln, die in praktischer anteilnahme gleich als einödsiedlungen angeboten werden mit solarbetriebenen waschzellen – vorausgesetzt es wurde vorher ein brunnen gebohrt und ein pumpsystem installiert im dürregebiet? und nicht zu vergessen das allerliebste messerset aus rostfreiem edelstahl für den zukünftigen bräutigam inkl. einem fläschchen für die lokale betäubung und ein zweites für die desinfektion – man berücksichtigt selbstverständlich die devianten hygienischen verhältnisse! – oh ja, der möglichkeiten gibt es viele zur lindernden hingabe, auf daß man als aktives und passives mitglied von kidsaid und konsorten ruhig schlafe…



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