Eine Flut von Heiratsanträgen ging auf die RTL-”Decotainment”-Moderatorin (“Einsatz in vier Wänden”) in Mauretanien nieder. An ihrem Selbstheilungstrip durch das Land der gemästeten Mädchen lässt uns Tine Wittler mit ihrem neuen Büchlein “Wer schön sein will, muss reisen” teilhaben.
“Sie machte sich auf in ein Land, in dem ein ganz anderes Ideal herrscht als in ihrer Heimat, wo nicht schlanke, sondern dicke Frauen als begehrenswert gelten – und stellte fest, dass auch dort die Frauen für die Schönheit leiden.” (Welt online)
Nun ist es nicht so, dass Frauen in Mauretanien eine Wahl hätten, für oder unter was sie leiden. Zum Beispiel werden 3 von 4 Mädchen durch die Verstümmelung ihrer Genitalien gequält und lebenslang geschädigt, sie werden noch als Kinder zwangsverheiratet, sexuell missbraucht und müssen Polygamie erdulden.
Ob Tine Wittler diese Art von Leiden im Sinn hatte, als sie sich nach Mauretanien aufmachte, ist fraglich. Im Zeit-Interview heißt es: “Wittler besuchte auch eine der Expertinnen (sic!), die Mädchen und Frauen mästen, damit sie … mehr Chancen auf dem Heiratsmarkt haben.” Der Satz könnte ebenso gut heißen: “Wittler besuchte auch eine der Expertinnen, die Mädchen die Genitalien herausschneiden, damit sie mehr Chancen auf dem Heiratsmarkt haben.”
Wittler und ihr Verlag verharmlosen systematische Gewaltverbrechen an Mädchen als “Tradition”, damit ihr Buchkonzept aufgeht. Simplifizierungen dieser Art sind allerdings keineswegs harmlos, sondern tragen dazu bei, dass die schlimmsten Exzesse gegen Frauen weiter als “Tradition” oder “Kultur” abgetan werden und wirksame Gegenstrategien sich nicht durchsetzen können.










